Chorkonzert „PAULUS Oratorium 2. Teil“ am 5. Juli 2026

Zum Werk
Im Jahr 1836 erklang auf dem 18. Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf zum ersten Mal das Oratorium PAULUS des erst 27-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy unter seiner Leitung.
Zu Mendelssohns Lebzeiten gehörte es mit dem ELIAS zu den meist aufgeführten Werken dieser Gattung, er selbst galt als hochbegabt, hochkultiviert, war der erfolgreichste Komponist seiner Zeit.
Im Nationalsozialismus wurde die Aufführung seiner Werke verboten, weil er jüdischer Abstammung war. Es half nicht, dass ihn sein Vater
1816 taufen ließ. Richard Wagner hatte durch sein Pamphlet über „das Judentum in der Musik“ die Missachtung Mendelssohns vorbereitet.
Heute hat der PAULUS wieder einen festen Platz im Musikleben. Den Text stellte Mendelssohn unter Mitwirkung des Theologen Julius Schubring nach biblischen Texten selbst zusammen. In vielerlei Hinsicht nahm er sich Johann Sebastian Bach zum Vorbild, dessen Johannes- und Matthäuspassion er wiederentdeckt hatte. Unter seiner Leitung wurde die Matthäuspassion 1829 nach 100-jährigem
„Dornröschenschlaf“ wieder aufgeführt.
Inhalt
Der erste Teil der Oratoriums, den der Chor der Versöhnungskirche im September 2025 aufgeführt hat, erzählt, wie Saulus die Christen verfolgt und nach der Gotteserfahrung zum Christen Paulus wird.
Der zweite Teil, der am 5. Juli 2026 zur Aufführung gebracht wird, berichtet mit dem programmatisch zu verstehenden Eingangschor „Der Erdkreis ist nun des Herrn“ von Paulus und Barnabas Missionstätigkeit bei Jüdinnen und Juden sowie den Völkern aus anderen Ländern. In den Apostelrezitativen und -duetten erkennt man die Problematik der Mission von der Vergötterung bis zur Verfolgung.
Das jüdische Volk und die Völker aus anderen Ländern lehnen sich auf. Konspirativ, anfänglich in geducktem, später deutlich hassendem Gestus bricht der Volkszorn zur Verfolgung und Tötung des Paulus los. Mendelssohn zeichnet das bösartige verleumderische Zischeln: „Ist das nicht, der zu Jerusalem verstörte alle, die diesen Namen anrufen“. Der ehemalige Christenverfolger wird um des Glaubens willen verfolgt! Aufgefangen wird die Spannung durch den Choral: „O Jesu Christe, wahres Licht“.
Die Chorfuge: „Aber unser Gott ist im Himmel“ ist Paulus Glaubensbekenntnis, das er den anderen Völkern zuruft. Doch stärker wird die Erregung der Ungläubigen: „Hier ist des Herren Tempel“, die in den Aufruf zur Steinigung des Paulus mündet.
Die Tenor-Cavatine: „Sei getreu bis in den Tod“ ist Zuspruch für Paulus und zugleich Vorausahnung seines Märtyrertodes. In einer ergreifenden Szene (Nrn. 39-43) nimmt er Abschied von seiner Gemeinde in Ephesus. Seine Glaubensfestigkeit wird gefeiert mit dem Lobpreis: „Lobe den Herrn, meine Seele“, mit dem das Werk endet.