Beerdigung

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein. 

Offenbarung 21, 4

 

Hast du Angst vor dem Tod“, fragte der kleine Prinz die Rose.
Darauf antwortete sie: „Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt soviel ich konnte. Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie mir gegeben. So will ich warten auf das neue Leben und ohne Angst und Verzagen verblühen.

Antoine de Saint-Exupéry

 

 

Wenn in der Familie ein Mensch verstirbt, dann müssen die Angehörigen sich nicht nur dem Schock des Todes stellen, sondern sehen sich, oft plötzlich vor einer Fülle von Fragen und Aufgaben:

Was müssen wir jetzt tun?“ „Mit wem sprechen wir jetzt?“ „Wo und wie soll die Bestattungstatt finden? „Wie gestalten wir die Trauerfeier?“

Gut, wenn man sich dann schon früher damit auseinandergesetzt hat, gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin, mit Kindern oder Freunden. Auch der Pfarrer, die Pfarrerin oder ein Bestatter kann Sie dabei begleiten und unterstützen.

lch möchte lhnen an dieser Stelle aus meiner Sicht als evangelische Pfarrerinein paar Hinweise und Anregungen dazu geben.

Zu jeder Zeit im Leben, besonders auch am Lebensende, können Sie Pfarrer oder Pfarrerin um einen Besuch bitten, zu einem Gespräch; allein oder mit der Familie, zur Beichte, zu einer Andacht oder Abendmahlsfeier. Wir kommen dazu auch ins Krankenhaus, gegebenenfalls in Absprache mit der Klinikseelsorge. Verbringt ein Mensch die letzte Lebenszeit zu Hause, kann der ambulante Hospizdienst ihn und die Angehörigen unterstützen.

Unmittelbar nach Eintritt des Todes muss ein Arzt den Tod feststellen, möglichst der Hausarzt, der den verstorbenen Menschen behandelt hat. Stellt er fest, dass es sich um einen natürlichen Todesfall handelt, kann der Verstorbene, wenn die Angehörigen das wünschen, bis zu 36 Stunden im Haus bleiben; in Ausnahmefällen auch länger. So ist Zeit, in Ruhe Abschied zu nehmen. Teil des Abschiedes können Gebete, Lieder und biblische Texte sein, die an unsere Hoffnung als Christinnen und Christen erinnern: Die Gemeinschaft mit Gott wird auch im Tod nicht aufgehoben.

Der Pfarrer oder die Pfarrerin oder jemand aus der Familie kann eine ,,Aussegnung / Verabschiedungsfeier“ halten. Ein möglicher Ablauf dafür ist im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 851 abgedruckt.

Die Trauernden vereinbaren mit dem Bestatter, wann der Verstorbene abgeholt und welche Bestattungsform gewählt wird. Welchen Bestattungsort und welche Bestattungsart die Angehörigen wählen, hängt vom letzten Willen des Verstorbenen ab. Aber auch die Angehörigen werden sich fragen: „Was ist für mich ein guter Ort und eine gute Art für Trauer und Erinnerung?“

Der Bestatter spricht mit der Familie, mit Pfarrer oder Pfarrerin und der Friedhofsverwaltung den Termin für die Trauerfeier und die Bestattung ab.

Die Trauerfeier kann in der Kirche stattfinden. Entsprechend den unterschiedlichen Gegebenheiten in den Gemeindeteilen, kann aber auch die Friedhofskapelle der Ort dafür sein.

Sollte eine Urnenbeisetzung vorgesehen sein, findet meist eine Trauerfeier mit Abschied und Bestattung mit dem Sarg vor der Einäscherung statt. Die Urne wird dann einige Zeit später beigesetzt. Wir begleiten natürlich auch die Urnenbeisetzung.

Etwa ein bis drei Tage nach dem Tod des Verstorbenen, kommt der Pfarrer oder die Pfarrerin nach Absprache zum Trauergespräch. Dieses Gespräch gibt Zeit und Raum, über die letzten Tage und Wochen zu sprechen und darüber hinaus auf das Leben des Verstorbenen zu blicken. Fotos, Worte, Lieder, die dem Verstorbenen wichtig waren und vielleicht auch seine eigenen Aufzeichnungen können helfen, sich zu erinnern und zu erzählen. Sie geben oft Anregungen für die Gestaltung der Trauerfeier. Manchmal steht dann schon ein biblischer Spruch (z.B. Tauf-, Konfirmations- oder Trauspruch) als Grundlage für die Ansprache fest, oft ergibt er sich aus dem Gespräch. Die Wünsche der Angehörigen (Musik, Lieder, Texte) werden in den konkreten Ablauf der Trauerfeier einbezogen. Die Trauerfeier würdigt den Verstorbenen und sein Leben. Sie nimmt die Klage der Trauernden auf. Sie spricht angesichts des Todes von der Liebe Gottes, die stärker ist als der Tod, und von der Hoffnung auf die Auferstehung. Die Trauerfeier ist einwichtiger Schritt auf dem mühsamen Weg durch die Trauer.

Am Sonntag nach der Trauerfeier gedenkt die Gottesdienstgemeinde der Verstorbenen und bittet für die Trauernden. Dazu werden die Trauernden herzlich eingeladen. Die Evangelische Kirche feiert kein Sechswochenamt oder Jahresgedächtnis. Besteht aber bei den Trauernden der Wunsch, ein Gespräch mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin zu führen oder in einer Andacht des Verstorbenen zu gedenken, so ist das jederzeit möglich.

Am Toten- oder Ewigkeitssonntag im November nennen wir im Gottesdienst die Namen aller Verstorbenen des letzten Jahres aus unserer Gemeinde. Dazu erhalten die Angehörigen eine besondere Einladung. Wenn Sie weitere Fragen haben oder ein Gespräch wünschen, sprechen Sie mich, meinen Kollegen Pfarrer Ernst Edelmann oder meine Kollegin Pfarrerin Franziska Hageloch an.

Ihre Pfarrerin Claudia Müller-Bück

 

Niemand von uns lebt sich selbst,

und niemand stirbt für sich selbst.

Leben wir, so leben wir im Glauben an Christus,

sterben wir, so sterben wir als die Seinen.

Darum: wir leben oder sterben, so gehören wir zu ihm.

Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden,

dass er Tote und Lebende umfängt

mit seiner Macht und Gnade.

(nach Römer 4, 7-9)